18. September 2012

Gabriel Barell: Mit Kanonen auf Spatzen schiessen?

#Wahlen

Vor etwas mehr als einem Jahr öffnete die beliebte „Ferienoase“ PANE-CON-CARNE, eine mediterrane Espresso-Bar an der Sternengasse, ihre Pforten für Live-Konzerte mit etablierten Bands aus der Region sowie Nachwuchstalenten von Musikschulen etc. – 1 bis maximal 2 mal pro Monat, meist an Donnerstagen direkt nach Ladenschluss um 18.30 Uhr bis ca. 21.30 Uhr. Stets ohne Eintrittsgeld und ohne Konsumationszuschlag.

Bands und Publikum waren/sind begeistert von dieser Gelegenheit – gute Live-Musik zu einem Zeitpunkt, der für Berufstätige (Musiker und Zuhörer) auch unter der Woche handhabbar und geniessbar ist, „in angenehmer Schlemmer- und Wohlfühl-Atmosphäre“ (Zitat BaZ). Ein bekannter hiesiger Bassist sprach gar vom besten Holzboden für Live-Musik weit und breit…

Im Umfeld der sommerlichen Diskussionen um die Zwangsschliessung von Innenhofrestaurants bereits um 20.00 Uhr entstand unvermittelt auch Druck auf dieses zuvor unbestrittene Kulturengagement – die nächsten Konzerte mussten abgesagt und Dutzende interessierte Bands vorerst auf unbestimmte Zeit vertröstet werden.

Die folgenden intensiven Recherchen zeigten, dass es aktuell in unserer Stadt nur zwei Betriebs-Typen zu geben scheint: Erstens die im Lokal vorhandene übliche Gastro-Bewilligung mit Musik bis zu einer fixierten Lautstärke (70 Dezibel o.ä.), und zweitens jene, welche u.a. Discotheken benötigen, welche 365 Tage im Jahr die ganze Nacht lang und in ganz anderen Schalldimensionen operieren.

Da ein kräftigeres Instrument wie ein Schlagzeug die definierte Schallgrenze mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht ganz einhalten kann, braucht’s anscheinend momentan für ein Konzert mit einem solchen Instrument denselben Bewilligungsprozess wie für eine ganzjährige Powerdisco – auch wenn solche Konzerte nur selten stattfinden und bereits um 18.30 Uhr be-ginnen respektive vor 22.00 Uhr enden. Tausende Franken kosten die notwendigen Lärmanalysen und Prozesse – ohne Erfolgsgarantie und mit wochenlanger Dauer…

Die Kulturstadt Basel braucht faire Lösungen für faire Betriebe – auf ein gelegentliches Feierabendkonzert von Basler Kulturschaffenden sollte nicht weiter mit grossen Kanonen geschossen werden müssen, wenn Anwohner statt das Gespräch zu suchen in Anonymität motivierte Musiker, Studenten und Veranstalter blockieren.  

Nachtrag: Es könnte jedoch alles auch ganz anders sein – den Überblick über die Rechtslage und die notwendigen Schritte scheint nämlich hierzulande absolut niemand zu haben. Die Kulturstadt Basel braucht insbesondere auch eine Ansprechstation, welche Kulturschaffenden in solchen Situationen hilft. Vom einstmals in einem Wahlkampf versprochenen „One-Stop-Shopping“ sind wir aktuell meilenweit entfernt!

Dr. Gabriel Barell Mitinhaber PANE-CON-CARNE, Leiter Region Basel der Valiant Bank und Vorstand des Gewerbeverbands Basel-Stadt