JA zur Trinkgeldinitiative am 29.11.

v.l.n.r.: Elena Conradt, Marcel Colomb, Emélie Dunn, Jo Vergeat, Titus Hell

Für mehr Gerechtigkeit im Kulturbudget – Kampagne für die Trinkgeldinitiative ist lanciert

Fünf Vertreter*innen des breiten Unterstützungskomitees der Trinkgeldinitiative haben heute die JA Kampagne im Kunstraum DOCK lanciert.

«Der Kanton fühlt sich viel eher für «etablierte» Kultur zuständig als dass er sich Neuem, Lebendigem und vielleicht auch mal Unkonventionellem zuwendet. Das manifestiert sich insbesondere bei der Verteilung der Gelder im Kulturbudget.» Mit dieser Aussage bringt Emélie Dunn, Mitglied von Kulturstadt Jetzt und Vizepräsidentin der Jungliberalen, an der Medienorientierung zur Trinkgeldinitiative die Problematik der ungleichen Verteilung der Kulturgelder im Kanton auf den Punkt.

Während die frei organisierten Theaterschaffenden, Künstler*innen oder Musikschaffenden der Region in der Coronakrise um ihre Existenz bangen, können sich grosse Institutionen darauf verlassen, dass ihnen der Staat nicht nur in dieser Krise entgegenkommt. «Der Anteil des aktiven und alternativen Kulturschaffens am wachsenden Kulturbudget ist in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden», führt Jo Vergeat, Grossrätin des jungen grünen bündnis und Geschäftsführerin von Kulturstadt Jetzt, aus. Die Trinkgeldinitiative verlange keine revolutionäre Umverteilung, sondern alleine, dass die Schere sich nicht weiter öffnet. Mit einem kleinen, fixen Anteil von bescheidenen 5% für die Subkulturen könne dies schon erreicht werden.

«Das Komitee «Ja zur Trinkgeldinitiative» versammelt Unterstützer*innen aus diversen Kultursparten – dies zeigt das grosse Spektrum, welches im aktuellen Kulturbudget kaum eine relevante Grösse einnimmt. Als Kanton verschenken wir damit viel Potenzial», betont Marcel Colomb, Musiker und Mitglied von Kulturstadt Jetzt. Kulturschaffende aus allen Sparten, Parlamentarier*innen aus diversen Parteien, Regierungsratskandidierende und wichtigen Kulturinstitutionen tragen das Anliegen der Initiative mit und machen somit schon vor der Abstimmung die breite Abstützung sichtbar.

Mit den 5% für das aktive Kulturschaffen der genannten Bereiche wird zwischen den Kulturen auch ein Generationenvertrag geschlossen. Sowohl die sogenannte «Hochkultur» als auch die Populärkultur leisten sehr wichtige Arbeit für das kulturelle Leben in unserem Kanton. Beide Bereiche sollten eine angemessene Förderung erhalten und . Weiterhin würde der Grossteil der Kulturgelder in die sogenannte «Hochkultur» fliessen, in die aktive Pop-, Club-, Sub-, Jugend-und Alternativkultur würden zukünftig mindestens 5% des Kulturbudgets investiert. Dies kommt auch der Hochkultur zu Gute, da diese Bereiche unter anderem Nachwuchs und das Interesse am Kulturangebot generieren und vervielfältigen.

Viele Jahre dauern die Diskussionen rund um die Förderung von Alternativ-, Club-, Jugend-, Pop- oder Subkultur nun schon an. «Diese Kulturformen sind für die Vielfalt der Basler Kultur entscheidend, haben aber in der kantonalen Kulturförderung eine klar untergeordnete Bedeutung. Die aktuelle Verteilung wird dem Angebot nicht gerecht», erläutert Elena Conradt, freie Produktionsleiterin für zeitgenössische Tanz-, Theater- und Performanceproduktionen. Und Titus Hell, Mitglied Kulturstadt Jetzt und Präsident der Jungfreisinnigen, zeigt auf, dass es Aufgabe der Politik ist, das weitere Vorgehen auszuhandeln: «Es obliegt der Regierung und dem Parlament, unter Berücksichtigung der 5% Stückchens über die genaue Verteilung zu entscheiden. Natürlich unter Einbezug der Kulturschaffenden.»

Bescheidene 5% des grossen Kulturbudgets muss unserem Kanton das breite, vielfältige Kulturschaffen wert sein!

Die ganze Last auf den Schultern der wichtigen Nachtkultur

Kulturstadt Jetzt kritisiert die erneute Verschärfung der Coronamassnahmen ohne wirtschaftliche Abfederungsmassnahme und Einbezug der betroffenen Betriebe scharf. Kulturstadt Jetzt fordert von Regierung und Verwaltung, dass sie Anfang der kommenden Woche geeignete Massnahmen zur Soforthilfe für die Nachtkultur präsentieren.

Das Komitee Kulturstadt Jetzt stellt die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung nicht in Frage. Den Umgang der Regierung und Verwaltung mit den betroffenen Betrieben hingegen kritisieren wir scharf. Die jetzige Situation war absehbar.
Regierung und Verwaltung haben es bisher sträflich versäumt, während der Ruhephase im Sommer eine adäquate Planung und Kommunikation auf die Beine zu stellen und Unterstützungsmassnahmen für allfällige, drastische Massnahmen vorzusehen.

Die neuen Verschärfungen bedeuten für zahlreiche Bars, Clubs und Kulturveranstalter*innen erneut quasi ein behördliches Verbot ihres Geschäftsmodells und ihrer wirtschaftlichen Betätigung. Diese de facto Schliessung der Nachtkultur wird durch das Umgehen eines Verbots auf die Schultern der Betreibenden gehievt, und die Regierung verpasst es gänzlich, begleitende Massnahmen zur Stützung der Branche zu beschliessen.

Es wäre das Mindeste gewesen, dass parallel zu den Verschärfungen auch geeignete Soforthilfemass- nahmen für die unzähligen betroffenen Betriebe kommuniziert und auch umgehend implementiert worden wären.

Weiter wurde es wiederum versäumt, eine klare Kommunikation für die neu geltenden Massnahmen zu publizieren. Alle betroffenen Betriebe stehen bei der Umsetzung der Verordnung vor vielen Fragezeichen. Die Bedeutung der Nachtkultur und die immense Arbeit aller Betroffenen, die aufwändige auch über die Pflicht hinausgehende Umsetzung von Schutzkonzepten in den vergangenen Monaten werden mit dieser One-Way-Kommunikation negiert. Dies obwohl mit der Taskforce Nachtkultur eine entsprechendes Kommunikationsgefäss vorhanden wäre.

Diese Versäumnisse müssen nun umgehend nachgeholt werden. Kulturstadt Jetzt erwartet, dass die Regierung hierzu Anfang der nächsten Woche Lösungen liefert.